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Dienstag, 4. Oktober 2016

Über Mode, Hipster und andere Fragwürdige




Okay. Ich LIEBE Mode. Ich LIEBE Klamotten, den Geruch von neuen Pullovern und das Auspacken von wundertollen Päckchen, wenn der DHL-Bote klingelt. Ehrlich gesagt, hab ich es noch nie geschafft, etwas in der Stadt zu erledigen, ohne mir dabei noch irgendein neues Kleidungsstück, Schuhe oder eine Handtasche zuzulegen. Meine letzte Errungenschaft, bei der ich wirklich hart bleiben und verzichten wollte, war eine Lederjacke. Sie hat mich so in ihren Bann gezogen, dass ich nach einer Woche (!!!) Des Hartbleibens (Rekordverdächtig für mich) doch hingegangen bin und sie gekauft habe.
Wirklich. Mode ist eine tolle Sache. Neue Schuhe, Schmuck und ein voller Zalandoo-Warenkorb fühlen sich verdammt toll an.
ABER!!!!!! WAS. SOLL. DIESE. HIPSTERSCHEIßE?
Ich sag ja immer »Soll doch jeder rumrennen, wie es ihm gefällt!« Aber jedes Mal, wenn ich von so einem Hipster-Heini vollgelabert werde, der der Meinung ist, er wäre mega individuell, will ich ihn schütteln. Denn GANZ EHRLICH! Es scheint doch momentan im Trend zu liegen, »anders« zu sein. Bei diesem jämmerlichen Versuch, sich von der Masse abzuheben, gehen diese Hipster doch erst recht unter!

Ist euch noch nicht aufgefallen, dass ihr ALLE Leggings mit bauchfreiem Pullover tragt und den Dutt an der Stirn zuknotet und ausseht wie EINHÖRNER? Was ist daran dann noch individuell?! Im Endeffekt sehen sie dann doch alle gleich aus!
Und ich will gar nicht von dem Veganen-ich-ernähre-mich-jetzt-gesund-und-hasse-alle-Fleischesser-Hype beginnen! Ehrlich, ich bewundere Menschen, die sich konsequent an frische Nahrung und Qualität halten. Leute, die stundenlang in der Küche stehen und wundervolle Sachen kochen, weil sie es LIEBEN! Aber (und da sind wir wieder bei den Hipstern) es ist echt fragwürdig, ob sie das noch machen würden, wenn es nicht gerade TOTAL angesagt wäre. 80% der Kundschaft im Bioladen trägt eine Pilotsonnenbrille (jeglicher Marke, nur nicht Ray Ban, weil DAS ja wieder der Masse entsprechen würde), hat die Hose bis zur Brust hochgezogen, darunter komische Schuhe mit TOTAL komischem Absatz, und dann wieder dieses komisch, zu kurz geratene Top! Und das Einhorn sitzt selbstverständlich auch.
ICH VERSTEHE DAS NICHT! Und okay, zugegeben, nur, weil ich es nicht verstehe, ist es nicht falsch oder hässlich, aber ich mag keine Menschen, die etwas nur tun, weil es gerade dem Trend entspricht. Womit wir wieder bei der Individualität wären.
Setzt euch doch einfach mal hin, trinkt einen grünen Tee (weil Latte Macchiato wäre zu Mainstream) und denkt über euer Leben nach. Das wollte ich echt schon seit Jahren loswerden.


Gebitcht by Maria OHara

Dienstag, 27. September 2016

Diese verdammte Nagellackindustrie!





Jedes Mal, wenn ich auch nur in die Nähe einer Drogerie komme, schreit er mich an. ›Kauf mich. Kauf mich. Kauf mich.‹ Na gut, denkt sich Mutti, Kauf ich dich eben. 
Aber wisst ihr, was das Problem ist? Richtig, die Farbe, oder einen ähnlichen Ton habe ich mindestens schon fünfzehn Mal im Schrank stehen. Nicht dass mir der Platz ausgeht, nein, aber wenn ich abends beim Essen sitze, mich mit meinem Mann unterhalte, und irgendwann das Gespräch (verdammt, ich hätte es besser wissen müssen) auf diese verdammt belanglosen Sachen kommt ... nun, dann zeige ich ihm stolz meinen neuen Lack und er sagt: »Der ist rot.«
»Nein«, lautet meine Antwort, begleitet von energischem Kopfschütteln. »Der ist Rubin Red.«
»Rot.«
»Nein Schatz« (Man(n) übt sich ja in Geduld) »Der ist« (die Stimme ändert sich zur Ich-Erkläre-Dir-Wie-Die-Welt-funktioniert-Tonlage, »Rubin Rot.«
»Für mich ist das einfaches, schlichtes rot.« Hat er gerade ernsthaft mein neues Baby ... unser neues Familienmitglied als ... einfach nur ROT abgetan? 
Augenrollend, widerstrebend, weil man das Abendessen – man hat ja eh kein Hunger mehr, weil die Hose schon spannt, nachdem man sich heute 2 Packungen Ferrero Küsschen reingestopft hat –, unterbrechen muss, begibt man sich auf den weiten Weg zum Bad. Nachdem man einige Minuten gekruscht hat, sich die wenigen ... okay, in Wahrheit ist es ein ganzer Schuhkarton voll, Nagellacke unter den Arm geklemmt hat und zurück geht, hat der Mann natürlich weiter gegessen … Ich meine. Hallo? Haben wir nicht gerade ein wirklich ernstes Thema?

»Das machst du nicht wirklich.« Entsetzen, blankes Entsetzen ... die Angst vor dem Tod. Sein Blick huscht hin und her, während er versucht, einen Fluchtweg zu finden, aber ich ... ganz die Ehefrau, die er sich immer gewünscht hat ... ziehe seinen Stuhl zurück (wenn ich nicht esse, braucht er auch nichts), setze mich auf seinen Schoß (natürlich nicht auf diese heiße Roman - Protagonisten - Sexy - Weise) und breite mein Nagellacksortiment vor ihm aus. Ich sortiere erst einmal grob nach Grundfarben, nur um dann den Stapel mit den meisten Lacken (natürlich die Roten, aber ich würde das nie zu geben) zu uns ran zu ziehen. Seine Hände an meiner Hüfte graben sich in mein Fleisch und diese entsetzte Panik »Was macht diese Irre Frau, bei der ich ja gesagt habe gerade mit mir?« steht ihm im Gesicht. Natürlich (ich bin ja wirklich ein sehr geduldiger Mensch - nicht.) erkläre ich ihm den Unterschied.
»Siehst du? Das hier nennt sich Blood!« Seine Augen weiten sich. »Und das hier ist Cherry.« Ich wedel wieder mit einem Fläschchen vor seinem Gesicht rum, was nebenbei bemerkt absolut sinnlos ist, da es bereits Dunkel ist und wir nur Kerzen (ich liebe ja Romantik *kotz*) anhaben, was ja zum Essen reichen würde. Es ist wohl auch besser, wenn er nicht sieht, was ich ihm vorsetze, aber egal. Der arme Kerl. Jedenfalls, er kaut leicht nervös auf seiner Unterlippe, denn offenbar will ich von ihm, dass er einen Unterschied zwischen beschissener roter Farbe die ›Blood‹ heißt und ›Cherry‹ erkennt. Strahlend lächelnd, wie eine Einser-Schülerin, sitz ich auf seinem Schoss, heb ihm die Fläschchen unter die Nase und nickte ihm mehrmals aufmunternd zu, wie eine verdammte Comic Figur. Seine Augen huschen nervös hin und her und in diesem Moment ... resigniere ich. Bitter. Aber ich tu es. Er sieht den Unterschied nicht, er sieht es nicht ... aber halt nein! Was ist das? Ich habe ja noch andere Farben!
Hektisch greifen meine Finger – natürlich mit roten Nägeln – nach den anderen, unterschiedlich geformten Flaschen. Ich heb ihm in Lichtgeschwindigkeit ›Redwine‹ ›Rouge Noir‹ ›Apple‹ ›Rubin‹ ›Sangria‹ ›Red Velvet‹ und sogar ›Strawberry Jam‹ unter die Nase ... und er? Er sieht es nicht einmal. Herrgott, da war sogar Dior und Chanel dabei und ... ihn interessiert es nicht. Ist das zu fassen? Ich verwende Stunden, Tage, Wochen meines Lebens damit mir die Fingernägel zu lackieren, sorgsam die Farbe auszuwählen und er sieht keinen verdammten Unterschied?
»Babe«, sagt er lässig in diesem Ton, der mich normalerweise wirklich anturnt. »Das ist einfach rot!« Ehe mir auch nur die Tränen in die Augen schießen können, löst er meine verkrampften Finger und stellt die einzelnen Flaschen wieder auf den Tisch. Mein Abend ist zerstört. Mein Leben ist zerstört, er versteht den Unterschied nicht.
Seufzend will ich aufstehen, will meine Babys in Sicherheit bringen ... er soll sie nicht einmal anschauen, er soll nicht einmal wissen, dass sie existieren ... wenn er sie nicht zu schätzen weiß. Wie ein geschlagener Hund, räum ich die Kiste ein und stell sie zur Seite. ›Sollte ich über Scheidung nachdenken?‹ Frage ich mich insgeheim, als er die absoluten, perfekten Zauberworte sagt. »Kauf dir ein paar Schuhe.« 
Mein Blick schießt nach oben. Meint er das ernst? Verarscht er mich? Oder will er wirklich ... soll ich? Was nur? Doch ehe ich mich darüber versichern kann, dass er das Ganze ernst meint, isst er wieder in aller Ruhe und sieht mich nicht mehr an. Thema abgeschlossen.




Wieso verstehen Männer nicht, dass wir so viel – meiner Meinung nach verschwendete – Energie in so verdammten Schwachsinn wie Nagellacke zu stecken? Oder deren Farben? Oder wo wir sie kaufen? 
Wieso, ist es den Jungs einfach scheiß egal, welche Farbe unsere Nägel haben?
Wieso ... denkt eine Frau, dass sie die ganze Farbpalette braucht? Denn sind wir mal ehrlich, rot ist verdammte scheiße nochmal, einfach nur rot. Wieso kann ein Mensch nicht damit zufrieden sein, wenn er nur eines hat? Nur einen Lack von jeder Farbe?
Ganz einfach, weil es uns vorgelebt wird. Weil es von uns irgendwie sogar erwartet wird. Weil wir alle Opfer von Konsumgütern sind ... Weil uns gesagt wird, wie wir auszusehen haben. Du hast abgekaute Nägel? Ohhh, ist ja ekelhaft. Du hast die Farbe vom letzten Herbst? Meine Güte du gehst ja gar nicht mit dem Trend. Du trägst die Nägel in Natur? Hilfe, bist du pleite?
Wieso genügt es uns nicht, dass wir Menschen in unserem Leben haben, denen es scheißegal ist, welche verdammte Farbe unser Nagellack hat?
Vielleicht weil wir Frauen sind und es uns irgendwie in den Genen liegt, dass wir uns zu Gefunkel und schönen Farben hingezogen fühlen ... Das wäre doch eine legitime Ausrede, oder? ;)

Gebitcht by Emily Key


Bilder by Stutterstock - lizensfrei





Donnerstag, 22. September 2016

Eine Ode an das Leben, ein Loblied auf das Essen und eine Hymne auf den Mut, so sein zu dürfen wie man möchte.



Sollte man jemandem in die Fresse hauen, der zu einem sagt: Schreib eine Kolumne die sich: moppelig aber glücklich nennt? Die einzig richtige Antwort hierfür ist eindeutig: JA!


Wieso sollte es bitte ein Grund sein, NICHT glücklich zu sein? Weil andere Leute sich von den Medien, Photoshop usw. blenden lassen? Geht es mir schlechter als dünnen Menschen? Kann ich weniger machen als sie? Bin ich dümmer, weil ich dick bin? Oder gar weniger wert? Schade ich damit jemandem, wenn ich dick bin?

Nein, alles was ich tue ist, dass ich das Essen als gesellschaftlichen Aspekt genieße!


Was gibt es Schöneres, als an einem heißen Sommerabend mit Freunden – die einem manchmal näherstehen als Familie – auf der Terrasse zu sitzen und ausgiebig zu grillen? Es sich gut gehen zu lassen. Natürlich mit einem anständigen Glas Wein dazu. Oder wie sollte man denn die wunderschönen Christkindlmärkte in Bayern genießen, wenn ich mir selbst verbiete dort eine Bratwurstsemmel zu schlemmen, nur weil dieser 'Snack' mehr Kalorien hat, als ein Steak mit Kartoffeln? Soll ich an den duftenden wunderbaren Mandeln vorbeigehen, obwohl ich sie will, nur weil ich sonst jemandem nicht gefallen könnte, wenn ich zu viel davon esse? Und wieso, sollte ich überhaupt ständig versuchen den Vorstellung des „Idealmaßes“ zu entsprechen, wenn Leben, genießen und der soziale Aspekt viel mehr wert sind, als in ein verdammtes Etuitkleid von Chanel – das sich 80% der Bevölkerung sowieso nicht leisten kann – passen zu wollen? Wie kann, die einzige richtige Möglichkeit, bei der sich Familien am Abend austauschen zu etwas Schlechtem gemacht werden?



Essen ist etwas Wunderschönes. Essen ist Genuss. Essen und Kochen sind Kreativität. Einzigartig und fantastisch. Eine Ode an das Leben, ein Loblied auf das Essen und eine Hymne auf den Mut, so sein zu dürfen wie man möchte. Das wird unser erster Blogbitch-Beitrag, denn ja wir essen gern, ja, wir sind nicht perfekt und ja, uns geht es verfickt blendend damit!




Gebitcht by: Emily Key & Don Both